

Laktat – kaum ein Stoff hat im Sport und in der Rehabilitation einen so schlechten Ruf. In vielen Köpfen gilt es noch immer als Zeichen von „Übersäuerung“, „Muskelkater“ oder gar als „Hindernisfür Leistung und Erholung“. Dieses Bild hält sich hartnäckig – bei Sportlern, Trainern und sogar in Teilen des Gesundheitswesens. Doch als Physiotherapeut sehe ich täglich: Laktat ist kein Feind, sondern ein unterschätzter Verbündeter des Körpers – gerade in der Heilung und Regeneration. Laktat entsteht, wenn Muskeln Energie ohne Sauerstoff gewinnen. Früher dachte man, das sei ein „Notprogramm“, das nur zu Muskelkater und Ermüdung führt. Heute wissen wir: Laktat ist ein wertvoller Botenstoff und Energiequelle. Es versorgt nicht nur andere Zellen mit Energie, sondern beeinflusst auch Heilungsprozesse auf erstaunliche Weise. In der Wundheilung wirkt Laktat wie ein Signalgeber: Es regt die Bildung von Wachstumsfaktoren an, die neue Gefäße entstehen lassen – die sogenannte Angiogenese. Diese Gefäße bringen Sauerstoff und Nährstoffe an verletztes Gewebe. Ohne sie wäre Heilung nur halb so effizient. Auch in der Rehabilitation spielt dieser Mechanismus eine Rolle. Angemessene Belastung – etwa auf dem Fahrradergometer oder im Wasser – fördert die Laktatkonzentration im Blut in einem gesunden Maß. Das wiederum stimuliert Durchblutung, Zellaufbau und Gewebereparatur. Wer also glaubt, während einer Verletzung müsse er völlig stillhalten, verlangsamt oft seine eigene Heilung. Natürlich braucht es Balance: Zu viel Belastung schadet, zu wenig nutzt nichts. Die Kunst liegt darin, gezielt so zu trainieren, dass der Körper „ausreichend“ Laktat bildet – als Signal für Wachstum und Regeneration. Laktat ist also kein Abfallprodukt, sondern ein Zeichen lebendiger Anpassung. Zeit, dass wir es vom Image des Übeltäters befreien und als das sehen, was es ist: ein stiller Mitspieler auf dem Weg zur Heilung